Yoga Journal – Was ist Universal Yoga? Interview Andrey Lappa und Henning Moog

ENERGIELENKUNG –

 

kontolle balance vereinigung

Bewusstes Sequenzing durch Energielenkung hat im Universal Yoga das Ziel des vollkommenen Ausbalancierens auf allen Ebenen.
Im YOGA JOURNAL- Interview beschreiben die Lehrer Andrey Lappa und Henning Moog Ziele und Wege dieser kreativen Methode

YOGA JOURNAL: Andrey, dein Name steht in Verbindung mit ­“ Universal Yoga (UY)”. Was ist UY? Ein neuer Stil oder eher eine spezifische Methode?
Andrey Lappa: UY versteht sich selbst als Wissenschaft von Yoga und
sucht nach Gesetz­mäßigkeiten, die stilübergreifend Gültigkeit haben. Um
etwa eine Balance von Körper, Energie (Prana) und Bewusstsein (Citta) zu
erreichen, ist ein stimmiges Verhältnis von Asana, Pranayama und Meditation erforderlich. Yogapraktiken werden nach ihrer Wirkung auf die Körperschichten (Koshas) eingeteilt und im Klassenaufbau so ausgewählt, dass sie in einem ausgeglichenen Verhältnis zueinander stehen. Auch eine Balance innerhalb jeder einzelnen Körperschicht ist Ziel der Praxis, zum Beispiel durch eine gleichmäßige Beanspruchung aller Muskeln und Gelenke.

YOGA JOURNAL: Was wird den Übenden dadurch ermöglicht?
Andrey Lappa: UY gibt dem Praktizierenden die Möglichkeit einer
ausbalancierten Praxis, ohne Benachteiligung von Körperbereichen, die zu wichtigen Energiezonen gehören. Diese Herangehensweise führt zu einer bewussten Entwicklung neuer Asanas, Pranayamas oder anderer Praktiken. Die Methode ist ein Kreativwerkzeug.
Henning Moog: Im Yoga ist die Verwurzelung in der Tradition wichtig. Die kritische Hinterfragung, warum wir genau eine Übung so an dieser Stelle ausführen, kann aber zu einer Weiterentwicklung führen. Yoga ist ein Sich-Bewusstmachen von Selbstverständlichkeiten und Überlieferungen. UY ist ein gutes Beispiel für das Lernen aus der Tradition und die Anwendung von Aspekten des neuzeitlichen Geistes, wie zum Beispiel Vernunft oder kritische Hinterfragung. Yoga selbst steht in der Evolution des Bewusstseins.

YOGA JOURNAL:In deinem Teacher-Training hast du, Andrey, ein ein allgemeines System für das Bilden von Übungssequenzen entwickelt. Du nennst es “Conscious ­Sequencing”. Was sind die Prinzipien?

Andrey Lappa: Durch die Anordnung der Asanas können wir gezielt die Energie im Körper lenken. Wenn wir beispielsweise in einer Klasse die Energie von unten nach oben bewegen, von den Beinen hinauf zum Kopf, ist dies ein „Upward Flow“. Erst werden alle Asanas für die Peripherie praktiziert, also Fußgelenke, Knie, Hüften.
Dann folgen die Handgelenke, Ellenbogen und Schultern, anschließend das Zentrum, erst untere Wirbelsäule, dann mittlere Wirbelsäule und Halswirbelsäule. Die umgekehrte Reihenfolge entspricht einem „Downward Flow“. Energie­lenkung von außen nach innen nennen wir „Centrepetal Stars“, von innen nach außen „Centrefugal Stars“.
Neben der Energielenkung können wir im Sequencing aber auch andere Parameter mit Wirkung auf das Bewusstsein, wie zum Beispiel den Rythmus oder die räumliche Ausrichtung, ändern. Eine Berücksichtigung aller bekannten Parameter führt zur Mandala-Methode.

 

lappa

Was ist darunter zu verstehen?
Andrey Lappa: Im Mandala Yoga wird die ­gesamte Sequenz in vier Mini-Sets unterteilt, in denen der Praktizierende seine Position im Raum gemäß der Himmelsrichtungen ändert. Das erste Mini-Set wird in Richtung Osten ausgeführt, das zweite Richtung Süden, das dritte nach Westen und schließlich das vierte nach Norden. In der Spiegelung wiederholen sich diese vier Sets in entgegengesetzter Richtung.
Wir verwenden Asanas, Vinyasas, Pranayamas, Mantras und Visualisation, um alle Koshas auszubalancieren.
Henning Moog: Jeder Schritt im Großen wie im Kleinen hat eine bewusste Absicht und entspricht den universalen Regeln. Jede Aktion hat ihren Platz, wie die Steinchen in einem Mosaik. Yoga ist Kontrolle, Balance und Vereinigung – eine Perfektion, die wir als Schönheit erfahren. Andrey, in deinen Sequenzen arbeitest du insbesondere mit der ­rechten/linken Körperhälfte und der rechten/linken Gehirnhälfte. Worin ­besteht die Absicht dieser Technik?
Andrey Lappa: Eine zentrale Absicht der Yogapraxis ist es, einen ­nachhaltigen Zustand der Balance im Körper, der Energiestruktur und im Bewusstsein des Praktizierenden herzustellen. Die Kunst des UY besteht in einem tiefen Verständnis davon, wie mit den rechten und linken Körperteilen in bestimmter ­Anordnung sowie mit asymmetrischen Übungen gearbeitet werden muss, um den ausbalancierten Zustand am Ende der ­Praxis zu erreichen.
Es ist bekannt, dass einige eurer Schüler Kundalini-Erweckungen erlebt haben. Warum findet die Arbeit mit Kundalini in den meisten populären Yogastilen keine Erwähnung?
Andrey Lappa: Kundalini ist die Energie der Transformation, die zeigt, ob wirkliche Veränderungen im Bewusstsein stattfinden. Eine Antwort für die populären Yogastile zu geben ist schwer für mich, auch, wieso sie nicht Kundalini-Methoden nutzen. In Indien setzen die meisten Yogaschulen diese Methoden ein.
Henning Moog: Ashtanga Yoga und Iyengar Yoga sind jeweils ein Experiment des 20. Jahrhunderts, durch den Fokus auf die Sequenzen und die Asanas allein den Geist zur Ruhe kommen zu lassen. Aus meiner Sicht wird das Wissen über die Kundalini und damit wichtige Zwischenschritte übersprungen. Die Folgestile haben an dieser inneren Struktur nichts geändert. Im Prozess des ­Aufstiegs der Kundalini-Energie werden tief sitzende Muster im Alltagsleben gelöst. Meiner Erfahrung nach ist die
Beachtung dieser Energie gerade bei einem westlichen Lebensstil besonders wertvoll für eine ständige Verbindung zum Göttlichen. Mit der Erfahrung der Kundalini-Energie entsteht Gewissheit.
Wie unterstützt Vyanayama die Erweckung der Kundalini?
Andrey Lappa: Vyanayama ist eine Methode der Energiekontrolle, ­Energieakkumulation und zur Reinigung der Nadis. Damit fördert sie die Entwicklung notwendiger Voraussetzungen zur Kundalini-Erweckung. Die Vyanayama-Methode ist der Pranayama-Methode sehr ähnlich, nur dass eine andere Energie – ­Vyana Vayu – genutzt wird.
Für die Kundalini-Erweckung sind die Reinigung der Energiekanäle, Energieakkumulation sowie das Ausbalancieren von Energie absolut erforderlich.
Henning Moog: Der Atem ist ein Schlüssel zur Erfahrung von ­höheren Bewusstseinszuständen. Vyanayama ist eine handfeste ­Praxis zur Erfahrung der Energie im Körper.
Eine yogische ­Ernährung und das Abschöpfen der sexuellen Energie durch Mudras komplettieren die energetische Ebene. An der Yoga Shala Berlin unterrichten wir im Matsyodara Yoga Schritt für Schritt Techniken zur Energielenkung und zum vollen ­Erleben des Pranakörpers. Wenn Apana Vayu durch den mittleren ­Kanal aufsteigt, verschwinden die emotio-
nalen Schwankungen (Citta Vrttis).
Das führt schließlich zur Vereinigung von Shakti und Siva.

Yoga Journal September Oktober 2010

 

What is Universal Yoga? with Andrey Lappa | Free Online Yoga Video

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