Yoga Journal Iyengar, Ashtanga, Vinyasa, Kundalini

Yoga Journal Iyengar, Ashtanga, Vinyasa, Kundalini

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Interview Yoga Journal über Kundalini Erweckung

Die kreative Kraft der Kundalini

Iyengar, Ashtanga, Vinyasa: Die eigentliche Tiefe dieser Yogastile erlebt der Berliner Yogalehrer Henning Moog durch intensive Erfahrung der Kundalini-Energie.

Henning, mit deinem Studio Yoga Shala stehst du nicht nur in Berlin fiir Ashtanga und kreatives Vinyasa Yoga. Seit einiger Zeit bringst du dich zudem verstärkt mit Kundalini in Verbindung. Wie kommt es zu dieser Kombination?
1994 habe ich mit Iyengar Yoga begonnen. Es gefiel mir, weil ich es schlicht und reduziert fand. Während eines Indien-Aufenthalts entdeckte ich dann Ashtanga Yoga. Durch die Atmung und Bewegung erlebte ich es als Befreiung. Später faszinierten mich die Themen Shiva Reas, insbesondere das 'Bild des Prana-Körpers und die Philosophie des Kaschmir Shivaismus. Der weitere Weg schien mir über Lehrer zu führen, die tatsächliche Kundalini-Erfahrung hatten.

Welche Begegnung war hierfür ausschlaggebend?
Von Andrey Lappa habe ich gelernt, Asana-Sequenzen zur Lenkung von Energie in bestimmte Körperbereiche zu nutzen. Er brachte die Tiefe, die typisch für die russische Seele ist. (lacht) In sei- nen Klassen bin ich wirklich in andere Bewusstseinszustände gekommen. An- dreys Stil ist perfektioniertes Ashtanga und kreatives Vinyasa Yoga zugleich, aber alles andere als beliebiger Freestyle. Er hat Weitblick und ist undogmatisch. Andrey verwendet in seinen Klassen Pendeleffekte, die ich auch für den Aufbau meines Unterrichts einsetze: Sie bestehen darin, den energetischen Körper in eine Dysbalance zu bringen, um am Ende der Klasse den Effekt der Balance zu verstärken. Eine Sequenz mit Positionen und Atemtechniken, die die rechte Körperseite und linke Gehirnhälf- te ansprechen, führt in die Erfahrung der Dysbalance. Die Ausführung der zweiten Seite führt wieder in die Balance. Beim Nachspüren im Zustand der Dysbalance wurde mir be- wusst, dass das flüssige, wellige Gefühl im Körper eine Form der Kundalini ist. Diese Erfahrung möchte ich an meine Schüler weitergeben. henning Kundalini nach Yogi Bhajan ist ein eigener Übungsstil. Aber haben nicht auch Vinyasa oder Ashtanga Yoga eine energetische Basis und sind damit auch Kundalini Yoga? ‘ In den klassischen Hatha Yoga-Texten wird Hatha Yoga ausnahmslos als Kundalini Yoga beschrieben. Hatha i Yoga benutzt den Körper als Mittel zur Selbstverwirklichung. Meiner Er- fahrung nach ist bei den populären Yogastilen wenig Wissen über die Kundalini-Energie angekommen. Bei Krishnamacharya und in den Folgestilen findet sich lediglich die Anweisung, Apana (ausströmende Energie) und Prana (einströmende Energie) zusammenzubringen. Das bleibt sehr abstrakt, eine Anleitung Schritt für Schritt wäre hilfreicher. Energielenkung durch Asana, Bandha und Mudra führt zur Vertiefung des Vinyasa Yogas.

Welche persönlichen Erfahrungen hast du mit der Kundalini gemacht? Wie beeinflusst sie deine individuelle Praxis und deinen Unterricht?
Ich fand einen Weg, durch Pranayama, Mudras und Bandhas Energie nach oben zu lenken – ein richtiger Sog entstand. Das ging schließlich so weit, das es zur eigentlichen Kundalini-Erweckung kam. In der 50 oh-Yogalehrer-Ausbildung ver- mittle ich SchülerInnen Techniken, die sie mit der Kundalini-Energie verbin- den können. Das Grundprinzip ist die Energielenkung entlang der Wirbelsäule. Die gezielte Kombination der Asanas führt in die Erfahrung des Prana-Körpers. Bandhas und Mudras dienen als Stabilisa- toren oder als Verstärker. Ashtanga, Vinyasa, Kundalini: Macht es überhaupt Sinn, Yoga in verschiedene „Stile“ einzuteilen. Durch neue Medien gibt es auch im Yoga einen Überfluss an Information. Die Herausforderung ist, sich hier zu orientieren und bei den Begriffen durch' zublicken. Bezeichnungen, Stile und Marken können irreführend und limitie- rend sein. Wir brauchen aber auch eine Abgrenzung, um zu kommunizieren und Praktiken greifbar zu machen. Am Anfang geht man dorthin, wo man sich wohl- und angesprochen fühlt. Am Ende ist es der innere Guru, der uns den richtigen Weg weist. Der innere Guru zeigt, welche Praxis wir wie auszuführen haben. xi   Yoga Journal Interview MAI ' JUNI 2010